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Amerikanismus

Liebe Leserinnen und Leser, 

in den ersten beiden Artikeln auf diesem Blog habe ich mich über einen Regisseur lustig gemacht, der aus den USA kommt. Dann habe ich von einem anderen Regisseur geschwärmt der, wie es der Zufall so will, aus Europa kommt. 

Bitte glaubt mir, ich habe nichts gegen Amis. Der Mann meiner lieben Schwester kommt aus den USA. Ich würde mir niemals erlauben, seine Kultur schlechtzumachen, nur, weil in Hollywood nicht jeder Film für ein Akademiker-Publikum gedreht wird. Die dummen, das sind die andern – nein, so kurzsichtig arrogant bin ich nicht. 

Habt ihr übrigens gewusst, dass in den USA Hollywood-Blockbuster so ziemlich den gleichen Ruf haben, wie hier auch? Es überrascht wohl nicht, dass auch dort die Mehrheit der Kunden in den dortigen DVD-Läden flache Komödien oder inhaltslose Actionfilme ausleiht. Das ist ja hier nicht anders. Und auch dort gibt es eine Minderheit von Menschen, die sich für schlauer halten (wie ich hierzulande), und nicht die Blockbuster-Filme ausleihen, sondern coole und intelligente Studiofilme. Was ihr vielleicht jedoch nicht wisst, liebe Leserinnen und Leser, ist, dass die Amis auch die anderen für die dummen halten! 

Was, wir sollen die dummen sein? Schwer vorstellbar. Doch tatsächlich versuchen in den USA Hollywood-Kritiker zu verstehen, warm so viele so simple Filme in Kalifornien produziert werden. Und ihre Erklärung ist, dass Filme, die in andere Sprachen übersetzt werden sollen, nicht zu komplexe Handlungsstränge und Charaktereigenschaften beinhalten dürfen, weil diese bei der Übersetzung verlorengehen. Schaut nur, wie schlecht sich die Independent-Filme in Übersee verkaufen. Ausländische Filmfans kennen unsere Milieus und Politiker und das alles nicht, und komplexe Dialoge leiden unter der Übersetzung. Die werden das nicht verstehen, wenn es nicht um Sex, Gewalt oder Slapstick geht. 

Das ist immerhin etwas, was uns mit den Amerikanern vereint: Genau wie sie denken wir auch, dass die dummen jenseits des Ozeans sitzen.

27.5.12 17:50, kommentieren

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Lassen wir James Cameron in Ruhe

Mir wurde schon unterstellt, ich wolle hier einen dieser Nörgel-Blogs einrichten wollen. Deshalb heute mal kein Wort über James Cameron, sondern über einen guten Regisseur: Anders Thomas Jensen. Der ist Däne, benutzt auch Special Effects, aber zu einem guten Zweck. Jeder Knall ist bei ihm eine Pointe. Jede schmerzliche Verletzung hat solch gutes Timing, dass man mitlacht obwohl man mitfühlt. Oder gerade weil man mitfühlt. 

Der Däne macht Filme über sympathische und weniger sympathische Kleinkriminelle, und über ihre Beziehungen zu naiven und unschuldigen Weltverbesserern. In Adam's Apples geht es um einen Priester, der immer wieder die andere Backe hinhält, und Kriminelle bei sich aufnimmt, um sie zu verbessern. Während diese auf seinem Rücken herumtanzen und immer unverbesserlicher erscheinen, wird der arme Priester immer selbstloser. Und stirbt fast daran. Und ich sterbe fast vor Lachen. Dabei schaue ich mir die Filme in den ruhigen Minuten zwischen zwei Kunden an, an der Theke, und wenn dann doch jemand hereinkommt, und ich krümme mich gerade vor Lachen hinter dem Tresen – na ja, schlimm ist es nicht, aber ein freundliches „Guten Tag“ mögen die meisten Kunden doch lieber. Und die James-Cameron-schauenden unter ihnen werden die Filmszenen, über die ich lache, auch gar nicht verstehen, weil der Humor zu subtil ist, und die Explosionen nur klein. 

Obwohl, da tu ich dem Anders Thomas Jensen Unrecht, wenn ich sage seine Explosionen seien klein. Er hat sehr wohl auch große Explosionen, so wie in „In China essen sie Hunde“. Aber jede Explosion bleibt in der Erinnerung, nicht weil sie spektakulär und laut ist, sondern weil sie ein Höhepunkt einer Szene ist, auf die man lange vorbereitet wird, und die dann den Lauf der Story deutlich verändert, weil zum Beispiel der tolpatschige Cousin eines kroatischen Mafioso dabei taub wird, und damit noch tolpatschiger.

25.5.12 17:50, kommentieren

Margarete's kleiner Film-Blog

Liebe Leserinnen und Leser, 

bestimmt schaut ihr gern Filme. Wahrscheinlich leiht ihr auch mal eins in einer Videothek aus. Und vielleicht hat der eine oder die andere unter euch schon einmal einen DVD in meiner kleinen Videothek ausgeliehen. Doch das werden wir nie erfahren, denn ich verrate nicht, welche Videothek ich führe! 

Warum? Ganz einfach: Ich möchte diesen Blog nicht als Werbemittel für meinen Laden nutzen. Der läuft gut genug, und die Werbeagentur meiner lieben Cousine kümmert sich schon darum, dass immer mehr Kunden den Eingang finden. Dieser Blog ist ganz alleine dazu da, mich über die Filme auszulassen, die ich hier verleihe – und vielleicht auch über meine lieben Kunden. Genau deshalb möchte ich hier auch lieber anonym bleiben, nicht dass plötzlich die Fans von James Cameron meinem Laden fern bleiben. Denn über James Cameron werde ich sehr viel lästern. Und über bestimmte Kunden vielleicht auch, und die sollen meinen Laden dennoch nicht meiden, denn auch wenn ich sie etwas anstrengend finde, sie sind mein täglich Brot, und ich gebe mir immer Mühe nett zu bleiben, auch wenn sie alle Regale durcheinanderbringen. 

Hauptsächlich geht es mir sowieso um die Filme, die ich mir anschaue. Schließlich ist der Hauptgrund, weshalb ich einen DVD-Verleih führe und nicht Faschingskostüme verkaufe oder gebrauchte Traktoren, dass ich Filme über alles mag. Filme aus aller Welt, Filme über Liebe und Schmerz, lustige Filme und traurige Filme, Dokumentarfilme und Kunstfilme. Nicht aber die Filme von James Cameron. 

Warum gerade James Cameron? Warum ich mich auf einen einzigen Regisseur einschieße, anstatt mich über die vielen guten Filme von guten Regisseuren zu freuen? Ganz einfach: Es lässt sich nicht vermeiden. Von kleinem schlechten Regisseur muss ich so viele Plakate aufhängen und so viele Blockbuster-DVDs auf Vorrat haben, wie von James Cameron. Die meisten anderen Hollywood-Größen, die Milliardenfilme auf Leinwände und Bildschirme bringen, haben wenigstens den Anspruch, etwas Inhalt zwischen die Spezialeffekte zu streuen. James Cameron hat das nicht.

24.5.12 17:49, kommentieren